Untersuchungsprogramm


Familiäre adenomatöse Polyposis coli
APC-Gen (adenomatous polyposis of colon; Genort: 5q22.2; OMIM #175100)
Material2-5 ml EDTA-Blut
ErbgangAutosomal dominant
Klinische Bedeutung

Die Familiäre adenomatöse Polypose (FAP) ist gekennzeichnet durch die Entwicklung von Hunderten bis Tausenden Adenomen im Rektum und Kolon während des zweiten Lebensjahrzehnts. Die FAP hat eine Prävalenz bei Geburt von etwa 1:8.300. In beiden Geschlechtern ist die Manifestation gleich häufig. Unter den Fällen mit kolo-rektalem Krebs macht die FAP weniger als 1% aus. Die Prävalenz in der Allgemeinbevölkerung der EU wird auf 1:11.300 bis 1:37.600 geschätzt.

Die meisten Patienten haben über Jahre keine Symptome, bis die Adenome groß und zahlreich geworden sind und rektale Blutungen oder sogar Anämie erzeugen und bis sich ein Karzinom entwickelt. Im allgemeinen beginnt die Entwicklung eines Karzinoms etwa 10 Jahre nach dem Auftreten der Polypen. Zu unspezifischen Symptomen zählen Obstipation oder Diarrhoe, Leibschmerzen, tastbare abdominelle Tumoren und Gewichtsverlust. Die FAP kann auch Symptome außerhalb des Intestinums zeigen, z. B. Osteome, Zahnanomalien, kongenitale Hypertrophie des Pigmentepithels (CHRPE), Desmoidtumoren und extrakolonische Tumoren (Thyroidea, Leber, Gallenwege und Zentralnervensystem).

Eine weniger aggressive Variante der FAP, die attenuierte FAP (AFAPt), ist gekennzeichnet durch eine geringere Zahl kolo-rektaler Adenome (gewöhnlich 10 bis 100), höheres Alter beim Auftreten der Adenome und ein geringeres Krebsrisiko. Einige Läsionen (Osteome des Schädels und der Mandibula, Zahnanomalien und Fibrome an Kopfhaut, Schultern, Armen und Rücken) sind Merkmale der Gardner-Variante. Die Assoziation von FAP und Medulloblastom wird als Turcot-Syndrom bezeichnet.

Die klassische FAP wird autosomal-dominant vererbt und ist die Folge von Keimbahnmutationen im APC-Gen (5q21-q22). Viele Patienten (~70%) haben Verwandte mit kolorektalen Polypen und Krebs. Bei einer Untergruppe von Patienten mit Mutationen im MUTYH-Gen (1p34.1) wird die Polypose rezessiv vererbt. Die MUTYH-assoziierte Polypose (MAP) ist gekennzeichnet durch ein leicht erhöhtesRisiko für die Entwicklung von kolorektalen Karzinomen und Polypen/Adenomen im oberen und unteren Gastrointestinaltrakt.

Die Diagnose basiert auf der Familienanamnese, den klinischen Befunden, einer Dickdarm-Endoskopie oder einer vollständigen Kolonoskopie. Wenn möglich, sollte die klinische Diagnose durch eine molekulargenetische Untersuchung bestätigt werden. Unerlässlich ist eine Überweisung zur humangenetischen Beratung. Differentialdiagnosen sind andere Krankheiten mit multiplen Polypen (Peutz-Jeghers-Syndrom, Familiäre juvenile Polypose oder Hyperplastische Polypose, Syndrom der Hereditären gemischten Polypose, Lynch-Syndrom).

Indikation V. a. familiäre Polyposis coli (FAP / familiäre adenomatöse Polypose), frühe Manifestation, teilweise extrakolonisch (Duodenum, congenitale Hypertrophie des retinalen Pigmentepithels CHPRE, Epidermoidzysten, Hepatoblastom). Bei V. a. attenuierte familiäre Polyposis coli (AFAP): Keine CHPRE, selten extraintestinale Tumoren.

MethodeFAP Stufendiagnostik:
1. PCR und Sequenzierung relevanter Bereiche von Exon 15
2. Deletionsnachweis mittels MLPA
3. PCR und Sequenz. der kodier. Exons 1-14 und fehlende Bereiche des Exons 15
AFAP Stufendiagnostik:
wie FAP, aber ohne MLPA, dafür ggf. Analyse MUTYH-Gen (Exon 1-16)
DauerCa. 1-2 Wochen
LiteraturRustgi, A. K., Genes Dev. 21: 2525-2538, 2007
Krush, A. J. et al., Am. J. Med. Genet. 29: 323-332, 1988
Giardiello, F. M. et al., Gut 40: 521-525, 1997

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