Fachinformationen - Onkologie - Tumormarker

 

L A B O R I N F O R M A T I O N

 

Somatische Mutationen im Calreticulin-Gen bei myeloproliferativen Neoplasien

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Die myeloproliferativen Neoplasien (MPN) stellen eine heterogene Gruppe von klonalen Stammzellerkrankungen dar, die eine exzessive Produktion ausreifender Blutzellen aufweisen.
Das Philadelphia–Chromosom, das BCR/ ABL -Fusionsgen sowie die Nachweismöglichkeiten von klonalen Aberrationen auf molekularer  Ebene  (z.B. JAK2V617F, JAK2 -Exon12-Mutation, MPL W515-Mutationen) haben die Diagnostik dieser Erkrankungen substanziell verbessert.
Im Jahr 2013 wurden von zwei Arbeitsgruppen (Klampfl et al NEJM und Nangalia et al NEJM 2013) Mutationen im Calreticulin-Gen als neue molekulare Marker für MPN publiziert. CALR-Mutationen finden sich bei bis zu 80% aller JAK2-negativen essentiellen Thrombozythämien (ET) und primären Myelofibrosen (PMF), jedoch nie bei Patienten mit Polycythämia vera (PV).

 

Calretikulin bei MPN



Calreticulin (CALR) ist ein calziumbindendes Protein. Eine Vielzahl von somatischen Mutationen im CALR-Gen wurde gefunden, die im Exon 9 des Gens lokalisiert sind und zu Veränderungen des CALR-Proteins führten (Verlust der calziumbindenden Domäne und  Entstehung eines neuen C-terminalen Peptids).
Auf welche Weise die CALR-Exon 9–Mutationen pathogenetisch zur Entwicklung einer MPN führen ist bisher noch nicht genau verstanden.

Methode

Die Nachweismethode besteht aus der Analyse der Fragmentlänge und der bidi-rektionalen Exon 9-Sequenzierung des CALR-Gens. Die häufigsten Mutationen sind 52- bp Deletionen und 5-bp Insertionen.

 

Indikationen

Diese Mutationen lassen sich bisher ausschließlich bei Patienten mit ET oder PMF nachweisen, die keine JAK2- oder MPL-Mutationen aufweisen. Daher  kann ein höherer Anteil dieser Erkrankungen molekularbiologisch diagnostiziert werden.

 

Prognostische Relevanz

Darüber hinaus scheinen MPN-Patienten mit einer CALR-Mutation ein geringeres Risiko zu besitzen, eine Thrombose zu erleiden, und eine höhere Überlebensrate zu haben im Vergleich zu Patienten mit einer JAK2-Mutation.

 

Material:

2 ml Blut oder Knochenmark (EDTA/Heparin)
Ausnahmeziffer 32010

 

Literatur:

1.) Klampfl T., Gisslinger H., Harutyunyan A.S., et al. N Engl J Med 2013; 369:2379-2390

2.) Nangalia J., Massie C.E., Baxter E.J., et al. N Engl J Med 2013; 369:2391-23405

3.) Fuchs R et al. Manual zum Mikroskopierkurs Hämatologie 2014


 


 

 

 


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