Fachinformationen - Infektiologie - Mikrobiologie

 

L A B O R I N F O R M A T I O N

 

Mycobacterium tuberculosis (MTB)
IFN-release assay (IGRA): QuantiFERON-TB-Gold-Test aus Blut


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April 2012

 

 

in Deutschland und West-Europa ist die Tuberkulose(TB)-Inzidenz derzeit niedrig, es kommen jedoch immer wieder Einzelfälle vor. In Osteuropa, Afrika und Südostasien sind hingegen die Tuberkulose-Fallzahlen nach wie vor hoch und weiter zunehmend. Die TB ist ferner bei immunsuppressiver Therapie und im Zusammenhang mit Infektionen durch Humane Immundefizienz-Viren (HIV) von besonderer Relevanz.

 

Zum Screening und zur Diagnosestellung der TB steht seit langer Zeit der Tuberkulin-Hauttest (Mendel-Mantoux bzw. Tine-Test) zur Verfügung. Falsch positive Ergebnisse dieses Tests (z.B. durch BCG-Impfung, Infektion mit atypischen Mykobakterien (MOTT)) und falsch negative  Ergebnisse (immunsupprimierte Patienten, HIV-Infektion) schränken die Anwendung dieses Tests jedoch stark ein.

 

Neue Tests: TB Interferon-γ-release assays
Es stehen zwei neue, einander ähnliche Verfahren (IGRAs) zur Verfügung. Gegenüber den Tuberkulin-Hauttests zeichnen sie sich durch eine erhöhte Spezifität (> 95%) für den M. tuberculosis-Komplex (M. tuberculosis, M. bovis. M. africanus) aus, sie reagieren praktisch nicht auf BCG und MOTT. (Zum Vergleich: Spezifität des Tuberkulin-Tests 40 - 70%). Auch die Sensitivität der IGRAs liegt bei > 90% und wird durch den Immunstatus des Patienten kaum beeinflusst.

Für einen IGRA werden die T-Lymphozyten des Patienten mit Antigenen von M. tuberculosis inkubiert. Hatte das Immunsystem Kontakt mit Tuberkelbakterien, reagieren die T-Zellen mit der Produktion von Interferon-γ, welches anschließend durch eine Immunfärbung nachgewiesen wird


Indikationen:
• mit chronisch entzündlichen, immunmodulieren­den Erkrankungen vor der Erstgabe von TNF-a-Blockern
• mit einer HI-Virus-Infektion nur vor einer Thera­pieentscheidung einer behandlungsbedürftigen Infektion mit M. tuberculosis-Komplex (außer BCG)
• vor Durchführung einer Organtransplantation (Niere, Herz, Lunge, Leber, Pankreas)


Ferner Einsatz durch den ÖGD zum Screening auf TB (Risikogruppen, z.B. nach   Kontakt mit TB-Patienten), durch Arbeitsmedizin, sowie in Kliniken ergänzend zur klinischen Diagnosestellung TB.

 

Vorteile gegenüber Tuberkulin-Hauttests:
• geringe Zahl falsch positiver Ergebnisse (kaum Reaktion auf BCG-Impfung oder MOTT)
• höhere Sensitivität bei immunsupprimierten Pat.(u.a. HIV-Infektion!), bei denen der Tuberkulin-Hauttest negativ ausfällt, und bei Kindern
• geringerer Aufwand am Patienten
• Ausschluss von Fehlern beim Hauttest-Ablesen


Einschränkung:
• keine Unterscheidung zwischen latenter, aktiver und abgelaufener/therapierter TB


Anforderung:

auf den Ü-Schein bitte schreiben: „TB-QuantiFERON-Test“

 

Material:

ein Lithium-Heparin-Röhrchen (vorher bei uns bestellen) korrekt gefüllt, nach Blutentnahme 8-10 mal schwenken! Röhrchen am Entnahmetag ins Labor! Vor Frost und Hitzeeinwirkung schützen, in Styropor-Box verpackt. Nicht im Kühlschrank lagern!


Präanalytik:

Ist hier besonders wichtig, da lebende Zellen gebraucht werden.
Nicht im Kühlschrank lagern! Nicht der direkten Sonnenstrahlung aussetzen!
Separate Verpackung beim Transport ins Labor, am besten in extra Styropor-Box (vom Labor mit den Röhrchen zusammen anfordern) bei Zimmertemperatur dem Laborfahrer extra geben und/oder großen Zettel „nicht kühlen“ anbringen.

 

Literatur:
1. Deutsches Zentralkomittee zur Bekämpfung der Tuberkulose
    (www.pneumologie.de)
2. Pai M, et al. Lancet Infect Dis 2004: 4; 761-76
3. Chapman et al. AIDS 2002: 16; 2285-93
4. Diel et al. Chest 2009: 135; 1010-8
5.,6. Leitlinien Fachges. Dermatologie, Rheumatologie

 


 


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