Fachinformationen - Endokrinologie

 

L A B O R I N F O R M A T I O N

 

Anti-Müller-Hormon: Marker der Fertilitätsdiagnostik


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Physiologie

Während der Embryonalentwicklung wird die Geschlechtsdifferenzierung durch das Anti-Müller-Hormon (AMH) bestimmt. Bei männlichen Feten wird das AMH durch die Sertolizellen des Hodens gebildet. Es fördert die Rückbildung der Müller- Gänge und bewirkt somit eine normale Entwicklung der männlichen Genitalien. Bei weiblichen Feten fehlt dieses Hormon. Dies führt zur Ausbildung der weiblichen inneren Geschlechtsorgane.
Bei Frauen wird das Anti-Müller-Hormon erst mit Beginn der Pubertät von den Granulosazellen heranwachsender Follikel gebildet. Follikel im Endstadium des follikulären Wachstums, die unter direkter FSH-Regulation stehen, bilden das AMH nicht mehr, siehe Abbildung 1. Die Serumkonzentration von AMH weist eine enge Korrelation mit der Zahl der antralen Follikel auf und spiegelt die ovarielle Reserve entsprechend dem Primordialfollikel-Pool wider.

 


Abb. 1 Bildung und Wirkung von AMH aus Visser et al.

 

 

Ab dem 30. Lebensjahr nimmt die Konzentration kontinuierlich bis auf in der Menopause nicht mehr messbare Werte ab. Das AMH fällt  postovulatorisch  nur gering ab. Der Abnahmezeitpunkt innerhalb des Zyklus ist daher ohne klinische Relevanz für die Beurteilung.

 
Ovarielle Funktionsreserve / Menopause

Der Eintritt der Menopause variiert stark um das 50. Lebensjahr und wird individuell durch den Verbrauch an Eizellen im Ovar determiniert. Die Bestimmung des AMH ermöglicht im Vergleich zur Bestimmung von FSH, Inhibin B und Östradiol, die erst bei bereits eingetretenen Zyklusunregelmäßigkeiten signifikante Veränderungen aufweisen, schon relativ früh  eine prognostische Einschätzung der ovariellen Follikelreserve. Eine AMH-Konzentration von 0,8-1,0 ng/ml weist auf eine allmähliche Erschöpfung der ovariellen Restfunktion hin. Die Fertilität der Frau ist somit zunehmend eingeschränkt. Im Laufe der folgenden 3 Jahre tritt bei diesen Werten wahrscheinlich die Menopause ein. Die Bestimmung des AMH ermöglicht die Voraussage des Zeitpunktes  der Menopause genauer als allein anhand des Alters der Frau. Dies ist insbesondere hinsichtlich der zunehmend späteren Familienplanung für Frauen ab dem 30. Lebensjahr von Interesse.

 
In-vitro-Fertilisation (IVF)

Im Vorfeld einer IVF ist das AMH ein nützlicher Parameter  für die Vorhersage des Ansprechens einer ovariellen Stimulation.  Erniedrigte Werte sprechen für eine eingeschränkte ovarielle Funktionsreserve und ein schlechtes Ansprechen auf eine Stimulation. Diese Patientinnen benötigen signifikant höhere FSH-Dosen als Frauen mit hohen Konzentrationen.

 
Indikationen:

- Familienplanung bei Frauen ab dem  30.  Lebensjahr
- klimakterische Ovarialinsuffizienz
- Sterilitätsbehandlung

 

Referenzbereich

1 – 5 ng/ml: normale ovarielle Funktionsreserve
0,8 –1,0 ng/ml: ovarielle Restfunktion
< 0,4 ng/ml: Menopause
erhöhte Werte: Hinweis auf PCO (unterdrückte Follikelreifung durch erhöhte männliche Hormonkonzentration)

 
Material / Methode / Abrechnung

1 ml Serum, Enzym-Immunoassay,
Die Untersuchung ist eine Kassenleistung

 

Literatur

- Visser J et al.: Anti-Müllerian hormone : a new marker for ovarian function. Reproduction, 2006, 131:1-9
- Disseldorp J et al.: Relationship of Serum Anti-Mullerian Hormone Concentration to Age of Menopause. J Clin Endocrinol Metab. 2008 Mar 11. [Epub ahead of print]
- La Marca A et al.: Anti-Müllerian hormone measurement on any day of the menstrual cycle strongly predicts ovarian response in assisted reproductive technology. Human Reproduction, 2007;22(3):766-771

 


 

 

 


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